Sind Schweden unhöflich?

Foto: Henrik Trygg/imagebank.sweden.se

Schweden können, in den meisten Fällen, schüchtern oder gar unhöflich auf Ausländer wirken. Dies ist ein oberflächliches Klischee, das gerade durch die Welt herumwandert, und obwohl es selbstverständlich einen Grund für seinen Ursprung gibt, ist er den Meisten unbekannt und somit wird nicht daran gedacht, wenn man ein ganzes Volk verurteilt.

Manche Kulture sind sehr offen und gesprächig (ich sehe dich Amerika) und wenn Schweden mit diesem Benehmen, das sie als etwas „zu viel“ vernehmen, nicht gut klarkommen, werden sie schnell als unhöflich eingestuft. Schweden sind nicht eine Gruppe antisozialer Skandinaver. Die Finsternis im Winter hat sie nicht Eiskalt und Herzlos gemacht. Wenn dem so wäre, würde diese schwedische Redewendung nicht existieren: „Gibt es Platz für das Herz, gibt es Platz für den Po.“ – Finns det hjärterum så finns det stjärterum. Ihr denkt gerade an Finnen. Spaß beiseite, Schweden kümmern sich gerne um ihre eigene Angelegenheiten und interagieren nur mit Fremden, wenn sie es müssen oder wenn sie darum gebeten werden.

Einige der introvert-ähnlichen Eigenschafter der Schweden haben ihren Ursprung in der gustavianischen Ära gegen Ende der 18. Jahrhundert. König Gustav III hatte große Pläne für Schweden und wollte das Volk einigen. Er gründete die schwedische Akademie, die sich um die schwedische Sprache kümmern sollte, und entwarf offizielle schwedische Trachten, die es einfach machen würde zu wissen, zu welcher Gesellschaftsklasse die Menschen gehörten. An seinem Hof führte er dieselbe Etikette ein, die am französischen Hof ausgeübt wurde. Dadurch wurde alte mittelalterische Gewohnheiten vertrieben, wie zum Beispiel mit den Händen essen und die Tischdecke als Taschentuch verwenden. Jetzt gab es Regeln, die verfolgt werden mussten. Wie das meiste, was mit dem Königshaus zu tun hat, verbreiteten sich diese „Regel“ über die Nation. Zuerst natürlich zum Adel und dann zur allgemeinen Bevölkerung. Dies zämte das Volk und legte die Grundmauer für das fehlerhafte Bild des schüchternen und unhöflichen Schweden.

Es gibt da aber noch mehr. Die Tatsache, dass die Schweden lieber Englisch als Schwedisch zu Ausländern sprechen, obwohl sie auf Schwedisch angesprochen werden, die schwedische Mentalität, dass wir alle gleich sind und niemand besser ist als der Andere, der schwedische Neid (den svenska avundsjukan) – das alles verstärkt dieses Bild. Auf schwedischen Arbeitsplätzen darf jeder seine Meinung äußern und an verschiedenen Entscheidungen teilhaben. Wofür hat man sonst Meetings? Und im Mitarbeitergespräche ist nicht mal der Chef gegen Kritik immun. Diese Art flacher Hiearchie könnte für Ausländer sehr herausfordernd sein, besonderes, wenn sie in einer Führungsposition sind. Schweden reden nicht um den heißen Brei herum, was für manche einen riesen Kulturschock sein kann. Anderseits, wenn Schweden danken, dasss das, was sie zu sagen haben, in einen Konflikt enden könnte, werden sie es wahrscheinlich für sich behalten. Wenn sie etwas nervt, schreiben sie entweder einen passiv-aggressiven Zettel oder läuft zu ihrem Partner nach Hause und beschwert sich stattdessen dort. Also, wenn ein Schwede sich für euren Geschmack etwas direkt ausdrückt, ist es entweder wohl gemeint oder zumindest neutral und keine Beleidigung.

Jede Kultur hat ihre eigene Art, wie man mit anderen Menschen umgeht und wenn ein Schwede nicht so reagiert, wie ihr es gewohnt seid, versucht dafür offen zu sein!

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