Wie lange dauert es Schwedisch zu lernen?

Foto: Aline Lessner/imagebank.sweden.se

Eine Frage, die ich sehr häufig gestellt bekomme, neben „Ist Schwedisch schwer zu erlernen?„, ist „Wie lange dauert es Schwedisch zu lernen?“, „Kann ich in 6 Monaten fließend Schwedisch?“ oder „Werde ich X tun können, wenn ich eine Monat Vollzeit lerne?“. Eine berechtige Frage, obwohl vielleicht etwas blauäugig. Leute möchten ein Projekt anfangen und gleich das Ende des Tunnels sehen, sodass sie wissen, wie sehr sie sich bemühen müssen, um es fertig zu werden. Allerdings, genau wie mit Trainieren und Gewichtverlust, ist Sprachen lernen kein Projekt. Natürlich kann man ein Ziel setzen und mit dem Niveau, das man erreicht, zufrieden sein, aber wenn man aufhört, fängt man langsam an, die Sprache zu verlernen. Man bekommt wieder etwas Bauch und gerät außer Form. Wenn man eine Sprache lernt und dann aufhört, wird sie langsam aus dem Gedächtnis verschwinden. Manches kommt vielleicht zurück, wenn man viel Zeit damit verbringt, aber man wird eingerostet sein. Man muss in Form bleiben.

Sag mir doch einfach wie lange es dauert!

Wenn ich diese Art von Fragen bekomme, frage ich mich immer, ob Leute sich eine Universalantwort erwarten, denn es tut mir Leid es zu sagen, es gibt keine. Die langweilige Antwort auf diese Frage ist: es kommt drauf an. Es gibt mehrere Faktoren, die hier eine Rolle spielen, wie schnell man eine Sprache schnell erwerben. Ich sage erwerben, da es nicht nur ums Wörter und Grammatik Pauken geht. Wenn man das tut, wird man natürlich eine Menge Sachen ausdrücken können. Die Frage ist aber, ob diese Sachen für einen Muttersprachler Sinn ergiben würden. Um eine Sprache zu erwerben, muss man sich mit der Sprache umgeben, damit man lernt wie Leute wirklich sprechen und sich idiomatisch auszudrücken. Dieser Schritt wird abgeschlossen werden. Ich habe seit 2003 Deutsch gelernt und ich stolpere ständig über neue Dinge.

Welche Faktoren sind wichtig, wenn man Schwedisch lernt?

Muttersprache

Erstens, nicht jeder hat eine Fremdsprache gelernt. Diejenigen, die Englisch als Muttersprache haben, kommen fast überall damit klar, ohne ein einziges Wort einer Fremdsprache zu lernen. Das ist super für Tourismus, selbstverständlich, aber das kann auch zu Probleme führen, wenn man das erste Mal eine neuen Sprache lernen möchte. Es ist weit verbreitet auf der Welt Englisch als erste Fremdsprache zu lernen, was auch diese Menschen einen Vorteil bringt, da sie schon eine zweite Sprache erlernt haben. Es gehört dem obligatorischen Lehrplan. Der Punkt ist, dass diese Kinder schon verstehen, dass nicht alle Sprachen wie ihre Muttersprache aufgebaut sind und haben schon Erfahrungen gesammelt und Grammatik und Vokabeln gelernt, die sie helfen, noch eine Sprache zu entschlüsseln. Je mehr Sprachen man erlernt hat, desto einfacher ist es offen zu der neuen Logik in der neuen Zielsprachen zu sein. Darüber hinaus, spricht man Deutsch, findet man im Schwedischen eine Menge Lehnwörter (besonders aus dem Niederdeutschen) und spricht man zusätzlich Französisch, erkennt man auch eine Menge französische Lehnwörter. So baut man auch schnell eine brauchbare Wortschatz auf.

Erfahrung

Leute möchten oft, dass ich ihnen sofort einen Zeitplan geben sollen, aber das ohne mir etwas über sie zu erzählen, welche Muttersprache sie sprechen, wie viele Sprachen sie sprechen und ob sie Erfahrungen mit Sprachenlernen gesammelt haben. Trotzdem, falls ich das alles wusste, könnte ich für sie immer noch keine passende Antwort geben. Ich könnte nur erraten. Aber, wenn sie zumindest eine germanische Sprache sprechen würden, würden sie einen Vorsprung haben. Eine Sprache zu lernen, die nah verwandt mit seiner Muttersprache ist, wird viel einfacher, und schneller, sein als eine komplett fremde Sprache zu lernen. Für mich, Dänisch und Norwegisch zu lernen, ist ein Kinderspiel, da meine Muttersprache Schwedisch ist. Diese Sprachen sind unter einander sehr verständlich und sie zu lesen besonders einfach ohne jegliche Vorkenntnisse. Niederländisch zu lernen, wenn man Deutsch spricht, oder Spanisch, wenn man Italienisch spricht, sogar eine weiter entfernte Sprache innerhalb der selben Sprachfamilie zu lernen, wird einfacher sein, als eine völlig andere Sprache aus einer anderen Familie. Man kann da nicht nur ähnliche Wörter und grammatikalische Konstruktionen vorfinden, sondern mit der Sprache kommt eine Weltanschauung, die man schon lebt. Ich kann das mit meinen Bemühungen Finnisch zu lernen. Schwedisch und Finnisch sind überhaupt nicht verwandt, laut des heutigen Standes der Lingvistik. Es gab nicht mal eine gemeinsame Ursprache. Es gibt jedoch eine Menge Lehnwörter aus dem Schwedischen und einige grammatikalische Strukturen wurden sogar aus dem Schwedischen entlehnt, da die ersten Menschen, die Finnisch dokumentiert haben und für eine mehr administrative Nutzung angepasst haben, wahrscheinlich schwedische Muttersprachler waren. Der Punkt ist allerdings, diese Entlehnungen schwer zu entdecken sind, da sie für die finnische Fonologie angepasst wurden. Der Rest vom Wortschatz und der Grammatik hat nichts mit Schwedisch gemeinsam und sogar der Art in der die Sprachnutzer denken unterscheidet sich von derjenigen, die man in einer anderen Sprache findet. Zum Beispiel, Schweden bevorzugen sich mit Verben auszudrücken, wobei Finnen lieber Substantive und Substantivifizierungen verwenden. Unterschiede in Weltanschauung können in allen Sprachen erkannt werden, und wenn die Sprache in unterschiedlichen Kulturen und Gebieten gesprochen wird, sogar innerhalb derselben Sprache. Darüber wird in einem gewöhnlichen Lehrbuch selten gesprochen.

Motivation

Motivation ist auch eine riesen Faktor. Manchmal ist alleine das Lernen, um mehrere Sprachen sprechen zu können, nicht genug. Man muss sich selbst fragen, was der wahre Grund ist und sein Ziel setzen. Welches Niveau wäre genug für euch? Möchtet ihr mit der Familie von einem schwedischen Partner sprechen können oder eine Ausgabe von Pippi Langstrumpf auf Schwedisch lesen? Man braucht eine richtige Motivation, um die Sprache zu lernen oder man wird das Interesse verlieren, zur nächsten Sprache oder zum nächsten Projekt weitergehen. Dieser Schritt ist super wichtig, da es auch beiflusst, wie viel du mitnimmst. Ein paar Minuten pro Tag ist genug, um konsequent zu bleiben aber mit etwas mehr Zeit wird man natürlich better lernen. Vielleicht nicht immer mehr oder schneller, aber es wird helfen mehr Erfahrung zu sammeln, damit das Wissen hängen bleibt, sodass man dasselbe nicht immer und immer wieder durchgehen musst.

Talent

Schließlich spielt auch Talent eine Rolle. Es ist natürlich nicht erforderlich, um eine Sprache zu lernen, wird aber sehr hilfreich sein. Auch, wenn du keinen Muttersprachler zum Üben hast, kannst du dich mit Schwedisch umgeben, aber ohne Talet musst du arbeiten und Zeit investieren. Mit Talent meine ich natürlich „ein Gespür für Sprachen“. Jedes einzelne Gehirn ist unterschiedlich programmiert und manche Leute „kapieren“ es einfach. Jeder kann selbstverständlich eine Sprache lernen, es wird jedoch für manche länger dauern, und für diejenigen wird mehr Motivation von Nöten sein um auf dem Weg zu bleiben..

Also, wie lange dauert es nun?

Es kommt drauf an! Es kommt auf alle diese Faktoren drauf an, wie viel man sich mit Schwedisch umgibt und welche Methoden man verwendet. Ich bin Leuten über den Weg gelaufen, die gut eine textbasierte Konversation nach nur 2-3 Monaten führen können. Die Meisten werden aber Jahre dran arbeiten müssen. Hier denke ich aber, dass die fehlende Motivation und Zeit der Übeltäter ist. In erster Linie geht es um zwei Sachen: Sprachimmersion (Erfahrung, Methoden, usw.) und Zeit (Motivation), was am Ende die Sprachfähigkeiten ergibt. Je öfter man etwas macht, desto besser wird man und je mehr man jeden Tag studiert, desto schneller wird man die Sprache können. Das heißt aber nicht, dass man die ganze Zeit Vokabeln und Grammatik pauken soll. Wenn man wenig Zeit hat, kann man auch passiv mit schwedem Radio und TV lernen. Irgendwann wird man Muster erkennen oder Dinge, die man schon gelernt hat. Man gewöhnt sich daran, die Sprache zu hören und wird dadurch mehr „Lernstunden“ zusammengekratzt haben, was im Endeffekt dazu führt, dass man mehr Erfahrung bekommt. Und das, obwohl man erst keine Zeit zum Lernen hatte. Das Wichtige ist, dass man nicht nur überlegt anzufangen. Ihr solltet sofort anfangen! Schaut euch meine 5 tips for learning Swedish fast an und hört die erste Schwedisch-Lektion.

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